Ironman Hamburg 2019

Ein Rennbericht von Sascha

Meine erste Langdistanz Ironman Hamburg 2019:

Es kommt mir alles noch wie ein Film vor, wenn ich hier die ersten Worte zu meiner ersten Langdistanz schreibe. Der Muskelkater ist so gut wie weg, doch was bleibt sind die Eindrücke, Emotionen & die Geschichte des Rennens, das so unglaublich für mich verlaufen ist.

In der Nacht vor dem Renntag bekam ich erstmal kein Auge zu und dann später doch. 04:30Uhr ging mein Wecker und ich kam nicht ganz so schnell aus dem Quark 😉 Ich war dann erst um 05:50 in der Wechselzone. Noch schnell die Wechselbeutel kontrolliert und meine Radschuhe an meinem Rad befestigt. 21,5 Grad hatte das Wasser und das hieß Neopren war erlaubt für die Altersklassen-Athleten. Auf einmal kam in mir doch die Nervosität auf, als die Durchsage kam „In 5min wird die Wechselzone geschlossen, es ist 6:10!“
Meinen Neo habe ich außerhalb der Wechselzone angezogen und den Beutel für nach dem Rennen abgegeben. Kurz darauf, als ich in der Reihe für den Schwimmstart stand, wurde es mir klar; ich habe neun Jahre davon geträumt einmal eine Langdistanz zu machen und heute ist Tag X auf den ich mich so gut es ging vorbereitet hatte.

Startschuss für alle Altersklassenathleten war um 6:40Uhr. Ich war so gut ich mich nach vorne eingereiht hatte bei unter 1:05(Std/min), ich wollte eher unter einer Stunde schwimmen und viele hatten sich auch da falsch eingereiht. 6:56 ging mein längster Trainingstag dann beim Schwimmen los. Sie Sonne stand so tief, dass man auf der Außenalster ihr direkt entgegen schwamm. Ich konnte die Bojen nahezu nicht sehen und hab mich an den anderen Schwimmer neben mir orientiert. Auf dem Rückweg überholte ich immer mehr, doch ich habe mir gesagt lieber entspannt schwimmen und Kräfte sparen, denn Schwimmen ist die kürzeste Disziplin. Zu dem Zeitpunkt wusste ich leider nicht, dass ich beim Ausstieg nur mit einer Zeit von 1:09:07 aus dem Wasser steigen würde.

Ich habe eben nicht auf meine Uhr geschaut, um nicht nervös zu werden.

Nun aber ab aufs Rad. Die ersten Kilometer bis zur Köhlbrandbrücke habe ich erst mal versucht in Schwung zu kommen aber auch nichts zu schnell anzugehen, denn es warteten ja noch gut 183 Kilometer auf mich. Es lief alles nach Plan – viele die mich überholten flogen halbwegs an mir vorbei und wussten wohl nicht, was auf sie zukommen wird. Der Wind drehte recht häufig und erst am Hohendeicher See, nach etwa 50 Kilometern, kam der Wind dauerhaft von vorne bis zum Wendepunkt am Zollenspieker. Es ging dann wieder mit Rückenwind in die Stadt auf der zweiten Runde. Ich habe etwas die Leistung rausgenommen, doch trotzdem sammelte ich viele die das Rennen auf dem Rad zu schnell begonnen hatten, nach und nach ein. Ich nahm jede Verpflegung mit, wie mir mein Trainer es aufgeschrieben hatte – dies war meine persönliche Taktik für das gesamte Rennen.

Wasser zum runterkühlen und mein eigenes Gemisch an Iso zum Trinken, dazu Riegel und Gels.

Kurz vor dem zweiten Wechsel nahm ich noch mehr Druck raus und im Wechselzelt nahm ich mir alle Zeit der Welt. Runter kommen von der Geschwindigkeit war die Anweisung meines Trainers. Ich lief raus und nahm alles was ich bekommen konnte an der ersten Verpflegungsstation, ich bin sogar gegangen und hab mich in Ruhe feiern lassen 😉 Erst dann lief ich richtig langsam los, um nicht zu schnell die ersten drei Kilometer anzugehen.  Nach Kilometer drei bin ich dann langsam in meine eigentliche Geschwindigkeit gekommen. Leider habe ich auf der ersten Runde von vieren noch nicht gewusst, was ich wo an Verpflegung erhalten werde.

Das war mein größter Fehler – ich hatte an der Verpflegungsstation bevor man wieder rüber zur Binnenalster lief, leider nur Wasser und Eis zum Runterkühlen erhalten, weil ich an Iso und Cola vorbeigegriffen hatte. Ich dachte mir, dass ich es damit bis zur Kennedybrücke schon überstehe, wo die nächste Verpflegung war. An der Verpflegung konnte ich schon nur noch gehen, denn mir fehlten Kohlehydrate und ich sollte eben kein Wasser trinken, sondern damit immer nur runterkühlen. Dort gab es allerdings nur Wasser und ein Energiegetränk, bei dem ich wusste, dass mein Magen dabei rebellieren würde. Also nahm ich jeden Becher Wasser und kühlte mich nur von außen runter und taumelte dann bis zum Gänsemarkt. Dort drückte mir zwei meiner Gels rein und trank circa drei Becher Iso und nahm wieder alles zu mir was ging. Ab da ging es echt schnell, dass ich wieder merkte, dass mein Körper den schlimmsten Punkt überwunden hatte und ich fing wieder an zu laufen. Ich nahm mir ab hier auch alle Zeit bei jeder Verpflegungsstelle, um nicht nochmal in so ein Energieloch zu treten. Überall riefen mir viele Freunde zu, dass ich wieder gut aussah und ich fand auch echt schnell wieder in mein Rennen hinein. Auf der letzten Runde zuckte kurz ein Krampf mitten in der Verpflegung auf und ich nahm noch mal dort alles auf was ging und der Krampf war zu meinem Glück schnell weg. Als ich dann vom Gänsemarkt in Richtung Rathaus lief, wusste ich, dass ich meine erste Langdistanz geschafft hatte und dass ich einen guten Job gemacht habe. Mir kullerten ab da nur noch alle Freudentränen unter meinem Visor und meiner Sonnenbrille, sodass ich sogar vergaß, dass ich die Sonnenbrille auf der Zielgeraden nach oben setzen wollte. Egal, ich bog ein auf den Zielkanal und sah schon unsere Vereinskollegin Natalie, die mich als Helferin im Zielbereich mit einem Lächeln in den Empfang nahm.

So viele Menschen, Bilder und Emotionen hatte ich mental selten auf einer Zielgeraden zu verarbeiten. Ich bin überglücklich mit meiner Zielzeit von 10:40:14 und möchte mich hier noch mal bei euch allen da draußen bedanken, sei es dass ihr nur in Gedanken dabei wart oder mir sogar an der Strecke Support geleistet habt. Bilder, Menschen, Momentaufnahmen und Emotionen wie auch Geschichten haben mich durch diesen Tag begleitet. Danke!

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